
Organisiertes Abfüllen in Dispersionsfarben- und Flüssigputzproduktionen
Das organisierte Abfüllen flüssiger Baustoffe, wie z.B. Dispersionsfarbe und Putze ist heutzutage eine komplexe Aufgabenstellung, die durch große Produktvielfalt und Gebindevielfalt bestimmt wird. Gerade in gewachsenen Betrieben ist häufig ein Anlagenmaßanzug notwendig, um professionelle Produktionsstätten zu errichten. Das Fallbeispiel der Fa. Swiss Lack dient in diesem Bericht als typische Aufgabenstellung.
Bei den meisten Dispersionsfarben- und Flüssigputzproduktionsstätten handelt es sich um gewachsene Betriebe. Der Schwerpunkt bei der Planung und Erweiterung solcher Betriebe liegt immer in der Aufstellung und Anordnung von Mischern, in denen die Produkte hergestellt werden, und von Speicherbehältern zur temporären Produktlagerung.
Die Betriebsplaner achten ebenfalls bei der Auslegung der Fabriken auf die Rohstoffzuführung in diese Behälter. Die Herstellung von Dispersionsfarben und die Produktion von Flüssigputzen erfolgt im Batchbetrieb. Das heißt, ein Mischer wird mit Rohstoffen bestückt und die „Batch" wird angerührt. Die Mischer und Laberbehälter haben meist eine Größe von 2,5 t - 10 t. In einer Fabrik gibt es meist bis zu 30 verschiedene Behältnisse.
Das heute vom Markt verlangte breite Produktspektrum erfordert unterschiedliche Produktionsweisen. Bei den Farben reicht das Spektrum von Fassaden-, Innenraumfarben bis zu Grundierungen, bei Putzen von Fassaden- und Dekorationsputzen bis zu Innenraumputzen. Die unterschiedlichen Produktarten werden nun noch mit den verschiedensten Farbtönen gepaart und schon ist das Produktionschaos perfekt.
Dazu kommt die Aufgabe, dass die Produkte in unterschiedlichen Mengen und in verschiedene Eimergrößen abgefüllt werden. Weiße Dispersionsfarben werden in großen Massen produziert und abgefüllt. Pigmentierte Farbeimer haben jedoch manchmal Losgrößen von nur einem Stück.
Diese genannten Rahmenbedingungen stellen an den Anlagenbauer in der Abfülltechnik sehr große Anforderungen. Da die örtlichen Gegebenheiten von Produzent zu Produzent sehr unterschiedlich sind, ist für jeden Kunden ein Maßanzug notwendig. Die Aufgabenstellung lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Die Abfüllspezialisten von Feige Filling haben in den letzten Jahren bei allen namhaften Baustoffherstellern die Aufgabe "Wie kommt das Produkt in den Eimer" erfolgreich gelöst.
Bei der Swiss Lack in Zürich (heute Teil der Firmengruppe Akzo Nobel) suchte die Produktion nach einer Abfülllösung, nachdem man sich durch die sich entwickelte Situation in einer Sackgasse befand.
Die Systemanbieter aus Norddeutschland fanden für die Gegebenheiten eine optimale Lösung. Die Produktion von Dispersionsfarbe wurde in zwei Bereiche geteilt.
Linie 1: Hochgeschwindigkeitsabfüllanlage mit hohem Automatisierungsgrad
Linie 2: Multifunktionsanlage mit Abtönung und kleinen Batchgrößen
Die Hochgeschwindigkeitsanlage beginnt mit dem automatischen Entstapeln der Eimer. Im Folgenden werden die Eimer online bedruckt. Das Layout des Druckbildes kann vom Anlagenbediener einfach über einen Modellierer am PC verändert werden. Die Eimeroberfläche wird erhitzt und das Druckbild aufgebracht. Dadurch entfällt das Drucken und Lagern von Etikettenrollen.
Die Linie 1 beinhaltet vier Abfüllstationen mit vier Waagenunterwerken und Abfüllventilen. Die Abfüllventile sind direkt mit vier Mischern bzw. Lagerbehältern verbunden. Der Anlagenbediener wählt an der Waagenanzeige den Behälter bzw. das Unterwerk, an dem abgefüllt werden soll, aus. Die Abfüllsoftware RFill beschleunigt und bremst den Abfüllprozess optimal, so dass eine Abfüllleistung von bis zu 600 20 l Eimern pro Stunde erreicht werden kann. Nach der Hochgeschwindigkeitsabfüllung werden die Eimer automatisch mit einem Deckel versehen und fest verschlossen.
Der Palettierroboter, der sich automatisch auf die unterschiedlichen Gebindegrößen (5 l, 15 l, 18 l und 20 l), die unterschiedlichen Eimerstellbilder und die Lagenanzahl einstellt, palettiert die Vollgebinde im Sekundentakt. Der Abtransport der Vollgebinde in die Lagerlogistik ist nur noch Formsache.
Die Linie 2, die als Multifunktionsanlage ausgeführt wurde, ist mit 20 Misch- und Lagerbehältern an vier Füllstellen gekoppelt. Jede Füllstelle verfügt über ein Füllventil, welches mit einem der fünf angrenzenden Produktleitungen verbunden werden kann. Das in der Mitte hängende Ventil wird vom Bedienpersonal durch eine Überwurfmutter an die benötigte Produktleitung gekoppelt. Die vor den Abfüllstellen automatisch entstapelten Eimer werden der vom Bediener aktivierten Füllstelle zugeführt. Die Befüllung erfolgt präziser, als es die Eichfehlergrenzen fordern, damit in der nachgeschalteten Pigmentierung ein optimaler reproduzierbarer Farbton entsteht. Die Pigmentierung erfolgt über vier in Serie aufgestellte Abtöner, denen die Gebinde automatisch zugeführt werden. Die homogene Verteilung der Farbpartikel in der Basisfarbe erfolgt durch zwei Rührwerke.
Der Eimer wird während des Rührens gegen die Rührwerkdrehrichtung gedreht, damit sich die Farbe auch am Eimerrand optimal vermischt.
Das automatische Deckeln und Zudrücken macht auch diese flexible Anlage zur vollautomatischen Verpackungsanlage.
Fazit
Durch die Erfahrungen von Feige Filling in der Projektierung und Planung von Abfüllanlagen in der Dispersionsfarben- und Flüssigputzeproduktion lassen sich immer Lösungen für die Befüllung von Eimern finden. Durch die Komplexität der Aufgabenstellung die durch
bestimmt sind, sind die Lösungen immer Kompromisslösungen. Um die Kompromisse möglichst klein zu halten, sollte während der Betriebsplanung oder des Umbaus die Abfüllung, die am Ende der Produktionskette steht, nicht vergessen werden. Das Beste ist natürlich die Planung auf der grünen Wiese
- vom Rohstoff bis zum LKW Abtransport.
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